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Berufseinstieg mit Verantwortung: Messungen am Leistungstransformator

Am 01. Juni 2026 ging es für mich im Göbel-Team los. Aktuell stecke ich mitten in der Einarbeitung zum Serviceingenieur für Leistungstransformatoren und begleite erfahrene Kollegen zu Einsätzen vor Ort.

Von der Theorie ins Feld zu kommen, ist extrem spannend! Anstatt reiner Berechnungen geht es jetzt darum, unterschiedlichste elektrische Messungen direkt am Transformator durchzuführen, Messkurven vor Ort zu bewerten und herauszufinden, wie es um Funktion, Sicherheit und Alterung der Anlagen steht. In diesem Beitrag möchte ich die ersten grundlegenden Messverfahren vorstellen, die mir in meinem neuen Alltag begegnen.

 

Durchführungen – Kapazität und Verlustfaktor

Um die Hochspannungsleitung an die Wicklungen des Trafos anzuschließen, muss das Hochspannungspotential durch den Trafokessel hindurchgeführt werden. Dabei kommt die hohe Spannung dem Kessel zwangsläufig ziemlich nah, daher ist es sehr wichtig, dass diese kritische Stelle gut isoliert ist und eine homogene Feldverteilung hat. Genau dies erreicht man mit einer sogenannten gesteuerten Durchführung.

Um den Zustand der Durchführungen zu überprüfen, führen wir bei neueren Objekten meist alle 8 Jahre Messungen des Verlustfaktors [PW1] (tanδ) und der Kapazität (C)  durch. Dabei werden verschiedene Prüfspannungen und -frequenzen eingestellt. Durch die Analyse der gemessenen Kurven können defekte Feldsteuerbeläge, eingedrungene Feuchtigkeit oder Verschmutzung erkannt werden. In folgender Abbildung ist beispielsweise zu sehen, wie eingezogene Feuchtigkeit Einfluss auf den Verlustfaktor hat:

 

 

Diese Messung gehört bei uns zum Tagesgeschäft und ist für meinen Einstieg eine der zentralen Aufgaben. Die Herausforderung liegt dabei zum einen im Messaufbau: Jeder Transformator steht in einer anderen Umgebung, und manchmal ist es gar nicht so einfach, die meterhohen Anschlüsse zu erreichen. Zum anderen muss man die Ergebnisse fundiert bewerten können, um zu beurteilen, ob eine Durchführung für den Weiterbetrieb geeignet ist, und eine entsprechende Empfehlung abgeben. Auch die Einflüsse des Wetters müssen bei der Analyse der Ergebnisse beachtet werden. Dafür braucht es eine Menge praktischer Messerfahrung, die ich aktuell von Einsatz zu Einsatz sammle.

 

Zustandsbewertung des Aktivteils

Der Aktivteil eines Trafos ist an sich sehr robust, und auch über einen jahrzehntelangen Betrieb hinweg bleiben seine Eigenschaften unverändert. Jedoch ist es auch wichtig, diese zu untersuchen, etwa nach Störfällen oder langem Stillstand. In folgender Tabelle sind diese Messungen kurz beschrieben:

 

 

Diese Messungen werden durchgeführt, um Abweichungen von den angegebenen Referenzwerten oder Werksmessungen festzustellen, die auf Fehler im Inneren des Trafos hinweisen. Üblicherweise werden all diese Messungen auch zusammen ausgeführt, da sie ein breites Spektrum an Fehlerarten abdecken. Bei der Vielfalt an verschiedenen möglichen Messergebnissen ist es wichtig, einen Fehler zu erkennen, aber auch zu erkennen, wo kein Fehler vorliegt, obwohl die Messergebnisse einen vermuten lassen.

Um diese verschiedenen Messungen organisieren, durchführen und analysieren zu können, werde ich von meinen Kollegen sehr vernünftig eingearbeitet. Ich wurde nicht ins kalte Wasser geschmissen und finde immer ein offenes Ohr für Fragen. Mein Ziel ist es nun, Erfahrungen zu sammeln und ich freue mich darauf möglichst bald meine erste Messung selbständig durchführen zu können. 

 

Ihr Jan Borghoff